Digitalisierungsstrategien bei UMAREX – Marco Schley im Interview

Die UMAREX-Firmengruppe ist Weltmarktführer im Bereich der frei verkäuflichen Waffen-Nachbauten und größter Druckluftwaffen-Importeur Europas. Die Produktpalette umfasst Verteidigungswaffen (über die seit 1993 integrierte Tochter Carl Walther GmbH), Freizeit- und Sportwaffen sowie Airsoft-Waffen, Stahlwaren und hochwertige LED-Lampen. Gegründet 1972 und bis heute inhabergeführt, ist das mittelständische Unternehmen mit Sitz in Arnsberg im Sauerland weltweit durch drei eigene Niederlassungen (zwei in USA, eine in Österreich) und ein umfassendes Netz von Vertriebspartnern präsent. In mehr als 40 Ländern expandiert UMAREX unter dem Markenzeichen LASERLINER® als internationaler Premiumpartner im Bereich moderner Messtechnologie. Der hohe technische Standard zeichnet das LASERLINER®-Sortiment aus. Es wird stetig erweitert und von einer zielgerichteten Markenkommunikation begleitet. So erschließt sich LASERLINER® immer neue Kundensegmente.

Welche Herausforderungen stellt die um sich greifende Digitalisierung in Ihrer Branche?
Generell ist die Digitalisierung in unserer Branche bisher deutlich weniger fortgeschritten als in anderen Branchen und befindet sich gerade im Umbruch. Bedingt durch die Anforderungen des Marktes (unter anderem für den Verkauf auf Online-Plattformen) benötigen wir und unsere Kunden stetig mehr und komplexere Artikeldaten. Die klassischen Stammdaten aus dem jeweiligen ERP-System reichen hier bei weitem nicht aus. Verschiedene Kunden entwickeln ihre eigenen Daten-Standards. Die Datenbereitstellung und -aufbereitung wird immer mehr auf den Lieferanten verlagert. Was früher als Fleißarbeit händisch erledigt wurde, kann bei der Vielzahl der unterschiedlichen Anforderungen heute nicht mehr geleistet werden. Durch konkrete Vorgaben, in welcher Form und Ausprägung die Daten benötigt werden, können Daten automatisiert in eigene Systeme importiert werden. Auf diese Anforderungen müssen wir flexibel reagieren können. Ebenfalls muss in der heutigen, schnelllebigen Zeit die Produkteinführung (time to market) bei der jährlichen Vielzahl neuer Produkte optimiert werden. Der Erfolg eines Produktes hängt immer mehr auch von der Qualität der zum Produkt gelieferten Daten ab (content sells).

Auf welche Hürden sind Sie bei UMAREX hierbei gestoßen?
Die geforderten Daten waren zum Teil gar nicht vorhanden bzw. wurden dezentral auf verschiedensten Servern oder im schlimmsten Falle sogar auf Desktops gespeichert. Durch diese Art der Ablage ließen sich Redundanzen nicht verhindern. Ebenfalls bestand ein relativ großes Risiko, dass falsche oder unvollständige Daten herausgegeben wurden. Da die UMAREX Unternehmensgruppe aus mehreren Bereichen mit vollkommen unterschiedlichen Produkten (z.B. Waffen und elektronische Ortungsgeräte) besteht, war bzw. ist es schwierig einen unternehmensweiten Standard zu entwickeln. In einigen Punkten mussten Kompromisse erarbeitet werden, mit denen alle Bereiche zufrieden gestellt werden konnten, ohne dabei Probleme in der Umsetzung der Anforderungen zu erhalten. Da die Mitarbeiter zuvor wenig mit Datenstrukturen zu tun hatten, musste hier erstmal ein Verständnis für das Thema aufgebaut werden.

Welche Rolle spielen zentrale und medienneutrale Produktdaten in Ihrem Unternehmen?
Die zuvor genannten, immer komplexer werdenden, internen und externen Anforderungen können nur mit zentralen und medienneutralen Produktdaten, in der nötigen Geschwindigkeit, umgesetzt werden. Die in der Vergangenheit benötigten „Daten-Suchzeiten“ müssen optimiert bzw. verringert werden, um mehr Zeit für wichtige Aufgaben, wie den Kundenservice zu haben. Durch die Datenqualität und -verfügbarkeit schafft sich UMAREX einen Wettbewerbsvorteil, der auf umkämpften globalen Märkten unverzichtbar ist.

Welche Meilensteine hat sich UMAREX für die nächsten zwei Jahre zur Digitalisierung gesetzt?
Ein großer Meilenstein wurde im März erreicht, indem die Produktdatenblätter für die Messe IWA OutdoorClassics 2018 komplett per Smart Documents aus Contentserv in zwei Sprachen generiert wurden. In der Vergangenheit wurden diese Dokumente händisch erstellt, was bei weit über 100 Produkten und zahlreichen Korrekturschleifen einen immensen Zeitaufwand darstellte.
Aktuell befindet sich die Lösung priint:Comet von Werk II in der Einführung. Die Schulung der User hat stattgefunden und erste Layouts wurden so bereits mit den Daten aus Contentserv befüllt.
Als nächster Meilenstein wird im Juni die Umsetzung eines standardisierten Workflow-Prozesses angestrebt. Hierbei soll die konstant hohe Datenqualität durch verschiedene Aufgaben und Status gewährleistet werden. Neue Produkte können erst nach Erledigung aller Aufgaben und abschließender Freigabe ausgeleitet werden. So wird sichergestellt, dass nur vollständige und korrekte Daten zur Verfügung gestellt werden. Ebenfalls werden mit dem Modul „CORE Data Flow“ bzw. den SAWS Connectoren verschiedene Ausleitungen umgesetzt, wie z.B. die Anbindung unserer Unternehmenswebseiten und die Erstellung von Kundenlistungen. Zukünftig sollen dann auch die sehr umfangreiche Preisliste sowie weitere Print- und digitale Medien umgesetzt werden.

Anna Nertinger

Über Anna Nertinger

Assistentin der Geschäftsleitung der CONTENTSERV GmbH. Hier und dort und überall.
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