Der Mittelstand und die Digitalisierung – Teil II

Digitalisierung im MittelstandIn unserer dreiteiligen Reihe „Der Mittelstand und die Digitalisierung“ auf www.digitalisierungsluecke.de nehmen wir es mit dem „Feind“ Digitale Transformation auf – von einer allgemeinen Herangehensweise über Studienergebnisse bis hin zu Erfahrungsberichten aus der Praxis. Drei Wochen, drei Texte, die Ihre Sichtweise auf die Digitalisierung im Mittelstand prägen und den Feind zum Freund machen.

Letzte Woche haben wir schon darüber berichtet, welche Rolle die Digitalisierung für den Mittelstand spielt und warum der Schritt zur Transformation gerade jetzt – besser schon gestern – passieren muss.

In Teil II unseres Beitrags stürzen wir uns nun auf Studienergebnisse, aber keine Panik, wir stehen auch eher auf Praxis als auf Theorie und versuchen daher, nicht zu sehr auf den Zahlen herumzureiten. Ganz ohne harte Fakten geht es trotzdem nicht. Um Teil III der Mittelstandsreihe vorzugreifen – hier dreht sich alles rund um Erfahrungsberichte und Praxisbeispiele. Also, let’s get started!

Metastudie zur Zukunft der Arbeit in deutschen KMUs

Die Ergebnisse, die wir heute vorstellen möchten, stammen aus einer im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung und von Kantar TNS durchgeführten Metastudie, die die Auswirkungen und Herausforderungen der Digitalisierung auf die Arbeitsorganisation im Mittelstand untersucht. Die Studie wurde 2015 und Ende 2017 durchgeführt und fasst damit nicht nur den aktuellen Status quo zusammen, sondern gibt auch Aufschluss über die Veränderungen, die in nur zwei Jahren vollzogen wurden. Ihr liegen neben 40 Publikationen auch 30 Interviews mit Entscheider/-innen aus mittelständischen Betrieben verschiedener Branchen in Deutschland zugrunde.

Die Thesen im Überblick

    1. Der Mittelstand hinkt im Vergleich zu Großunternehmen in Sachen Digitalisierung gewaltig hinterher
    Auch jetzt liegt der Mittelstand in der Digitalisierung hinter den Großunternehmen zurück. Im Vergleich zu 2015 haben KMUs zwar aufgeholt und die Digitale Transformation schreitet voran – nur eben leider viel zu langsam, um mit dem Tempo der technologischen Entwicklung Schritt zu halten. Aktuell besteht weiterhin ein erheblicher Nachholbedarf. Erst ein Fünftel der Unternehmen setzt heute auf eine übergreifende Digitalisierungsstrategie.

    Woran liegt’s?
    „Das haben wir schon immer so gemacht.“ Kommt Ihnen der Satz bekannt vor? Dann herzlich Willkommen im Club der Bremser! Diese Verhaltensweise ist mitunter nämlich dafür verantwortlich, dass 20 Prozent der Betriebe die Digitalisierung nach wie vor für wenig bedeutsam halten und ihr eine nachgestellte Priorität bemessen. Initiativen zu grundlegenden Veränderungen, die von Mitarbeitern angestoßen werden, werden zudem oft mangels Verständnis, Anerkennung und Unterstützung von Vorgesetzten nicht wahrgenommen oder eben ausgebremst. Zudem fehlen vonseiten der Führungsebene beispielsweise der Wille, die Überzeugung oder das Vertrauen in die eigenen Mitarbeiter/-innen. Wie Führung in Zeiten der Digitalisierung aussieht, darüber haben wir in einem anderen Beitrag schon berichtet.

    Um den Anschluss an die Big Player und die Vorreiter der Branche nicht zu verlieren, ist in KMUs ein generelles Umdenken nötig. Und dann heißt es: Starten Sie Ihre Digitale Transformation, und zwar mit Plan und gemeinsam mit der ganzen Mannschaft!

    2. Wer aufholen will, muss immer schneller werden
    Der Wandel schreitet immer rascher voran. Wer also aufholen möchte, muss ein umso schnelleres Tempo an den Tag legen. Deutlicher denn je wird heute klar „Stillstand bedeutet Rückschritt“. Experten erwarten eine weitere Beschleunigung, die durch neue und sich rasch entwickelnde Technologien, darunter Künstliche Intelligenz oder Robotik, bedingt wird.
    Um jetzt noch aufholen zu können, ist ein neues Verständnis nötig, nicht nur von der Digitalisierung allgemein, sondern auch von der Art und Weise, wie das eigene Business und die Art des Arbeitens funktioniert. Viel zu oft wird Digitalisierung mit neuen Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung oder Kosteneinsparungen gleichgesetzt. Das ist auch richtig, aber eben nur zum Teil. Die Digitale Transformation greift viel weiter. Digitalisierung stellt das, was bisher unser Arbeiten (mit)bestimmt hat, auf den Kopf. Alte Regeln und Prinzipien werden über den Haufen geworfen und werden neu definiert. Die neuen Spielregeln müssen erkannt, verstanden und verinnerlicht werden – erst dann ist ein Blick, der über den Tellerrand und die rein technologischen Möglichkeiten der Digitalisierung hinausgeht, möglich.

    3. Digitalisierung ist Mannschaftssport, braucht aber einen starken Kapitän
    Digitalisierung ist Chefsache. Ja und nein. Die Daten der Studie der Bertelsmann Stiftung zeigen: Nur wenige Mittelständler sind bereits durchwegs stark digitalisiert, die Digitale Transformation muss demnach mit einer ganzheitlichen Strategie in Angriff genommen und von oberster Ebene koordiniert werden. Die Schaffung eines Chief Digital Officers, kurz CDO, kann hier mitunter ein möglicher Schritt zum nachhaltigen digitalen Erfolg sein. Für eine erfolgreiche Transformation braucht es eine klare Positionierung und digitale Kompetenz der Führungskräfte, die ihr Team während des gesamten Change-Prozesses und darüber hinaus begleiten.
    Solange es aber bei vereinzelten Initiativen bleibt, die auf Widerstand stoßen, wird es zu keinen großen Fortschritten kommen. Einzelmaßnahmen sind ein erster Schritt, allerdings bedarf es vielmehr einer ganzheitlichen und übergeordneten Master-Strategie, die das gesamte Business auf die digitale Welt zuschneidet.

    4. Neue Arbeitskulturen für schnelleres und flexibleres Vorgehen
    Die Digitalisierung erfordert und ermöglicht eine neue Arbeits- und Lernkultur. Dezentralisierung, Enthierarchisierung und Flexibilisierung sind Schlüsselbegriffe dieser neuen Arbeits- und Lernkultur. Eine andere Grundhaltung der Art des Arbeitens gegenüber ist gefragt – sozusagen ein digitales Mindset, das mit der neuen Arbeitskultur Hand in Hand geht. Neue Geschäftsmodelle, neue Kompetenzen, neue Lernformen – es liegt an KMUs, diese jetzt für sich zu entdecken. Mittelständler müssen eine neue Arbeitskultur entwickeln, die schneller, agiler und flexibler funktioniert als die des Industriezeitalters. Genauer heißt das, sie braucht:

  • ein höheres Maß an Kollaboration
  • neue und flexiblere Arbeitsformen, z.B. die freie Wahl von Arbeitsort und -zeit
  • ein höheres Maß an Mit- und Selbstbestimmung für Mitarbeiter

Soweit die Theorie, wie sieht die Praxis aus?
Die gerade vorgestellten Ergebnisse können Sie nun eine Woche lang sacken lassen. Im letzten Teil unseres Dreiteilers dreht sich nämlich der Fokus um Händler und Hersteller aus dem Mittelstand, die sich diese einzelnen Punkte zu Herzen genommen haben und bereits direkt auf dem Weg in neue digitale Welten sind. Wir möchten Ihnen Best Practices vorstellen, die Sie zur Selbstreflexion animieren sollen und Ihnen Einblicke in die verschiedenen Herangehensweisen an Digitalisierungsprojekte geben. So schaffen auch Sie die Transformation vom Bremser zum Vorreiter im Mittelstand!

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