Ist E-Commerce in der Schweiz schwieriger als in den Nachbarländern?

Die Schweiz, neben Schokolade, Käse und Taschenmesser, bekannt für ihre Bilderbuch-Landschaft, Tourismusbranche und Hotellerie, ist mit gerade mal 8,5 Millionen Einwohnern etwas größer als Niedersachsen. Das verdeutlicht das begrenzte Marktpotential der Schweiz. Und auch Besonderheiten wie die drei Sprachregionen und die eigene Währung im Euro-Raum, stellen die Anbieter im E-Commerce vor Herausforderungen.

Die Finanzkrise 2008 / 2009 und die nachherige Abwertung des Euros in den Jahren 2011 und 2015 haben z.B. im schweizerischen Hotelleriegewerbe zu einem Rückgang der ausländischen Gäste geführt.

Hinzu kommt, dass sich im Zuge der Globalisierung natürlich auch in der Schweiz viele ausländische Anbieter tummeln, was zur Folge hat, dass den Schweizer Online-Anbietern die Erfolgsgrundlage geradezu entzogen wird. Ja gut, so funktioniert eben eine freie Marktwirtschaft, könnte man sagen. Das wollen wir hier auch nicht in Frage stellen. Es geht uns darum, die Rahmenbedingungen aufzuzeigen, mit denen der Schweizer E-Commerce umgehen muss.

Die langfristig angelegt Studie „E-Commerce-Report Schweiz 2017 – Digitalisierung im Vertrieb an Konsumenten“, durchgeführt vom Fachbereich E-Business der Hochschule für Wirtschaft FHNW (Fachhochschule Nordwestschweiz), betrachtet die Entwicklung des B2C E-Commerce aus Sicht der Schweizer Anbieter und hat das Ziel, zur nachhaltigen Weiterentwicklung des E-Commerce in der Schweiz beizutragen. Im Vergleich zu anderen Studien liegt hier der Fokus auf der Befragung von Anbieter, nicht auf Konsumenteninterviews. Seit 2009 wird das Panel ausgebaut und befragt. Die Datatrans AG, der führende Payment Service Provider im Schweizer Onlinehandel, ist der Auftraggeber für diese Studienreihe.

E-Commerce in der Schweiz – über welche Größenordnung sprechen wir hier genau?

  • Der Verband des Schweizerischen Versandhandels (VSV), GfK Switzerland und Media Focus Schweiz beziffern den Wert der im Online- und Distanzhandel bestellten Waren auf 8,05 Mrd. CHF (6,02 Mrd. Euro). Er liegt damit 8% über den Vorjahreswert.
  • Allerdings konnten nur 58% der VSV Mitglieder ihren Umsatz um mehr als 1% steigern. Es profitieren also nicht alle gleichermaßen vom Online Wachstum.
  • Der Wert der Onlinebestellungen beträgt 8,6% des Gesamtvolumens des Detailhandels (93,9 Mrd. CHF).
  • 1,55 Mrd. CHF der Onlinebestellungen gehen an ausländische Anbieter, das entspricht knapp 20% der E-Commerce Ausgaben der Schweizer.
  • 250 Mio. CHF lassen sich die Schweizer von ausländischen Anbietern an grenznahe Abholstationen liefern.
  • Der Detailhandel (Einzel-, Konsumgüterhandel) in den vier großen Nachbarländern der Schweiz weist 35% niedrigere Kosten auf. Diese Kostenunterschiede spüren die Konsumenten anhand des unterschiedlichen Preisniveaus.
  • 40% der Befragten erwarten starke Marktanteilsgewinne von 2% und mehr für ausländische E-Commerce Anbieter.
  • Der grenzüberschreitende Onlineeinkauf findet zum Großteil bei Zalando, Amazon, AliExpress und Wish statt.
  • In der Übernachtungsbranche, Schwerpunkt der diesjährigen Studie, schlägt die Verschiebung zu Onlineanbietern große, ja sogar politische Wellen. Buchungen auf Onlineplattformen haben sich von 2010 – 2016 auf 27% etwa verdoppelt – zulasten der traditionellen Eigenvertriebskanäle wie Telefon, Walk-ins oder Email.

Ohne online geht es nicht mehr

Der Onlinemarkt ist weiterhin dynamisch und wird auch in Zukunft wachsen. Manche Branchen sind was die Digitalisierung angeht bereits weiter fortgeschritten, wohingegen andere wie z.B. Home & Living noch hinterher hinken. Ein Grund dafür ist, laut Studie, dass die Qualität der Produktdaten von Möbelhersteller zu wünschen übrig lässt und somit die Digitalisierung von Katalogen eine große Herausforderung darstellt.

Eine Multikanalstrategie wird seit 2011 als Zugang zum boomenden E-Commerce gesehen. Diese Umorientierung wurde durch den wachsenden E-Commerce einerseits und den Umsatzverlusten im stationären Handel andererseits begünstigt. Außerdem forderten Konsumenten kanalübergreifende Handelskonzepte und signalisierten das unter anderem mit der Bereitschaft Waren an Pick-up Stellen abzuholen und zu bezahlen. Seither bauen Unternehmen, die bisher auf das stationäre Geschäft gesetzt haben, ihre Onlinekanäle weiter aus.

Die Studie macht weiterhin deutlich, dass eine durchgängige Customer Experience wichtig, aber selbst bei bedeutenden Multikanalanbietern noch nicht erreicht ist. Lösungsansätze sind die Kanalintegration und die Kanaldifferenzierung. Besonders die Differenzierung wird in der diesjährigen Studie hervorgehoben. Kanäle sollen sich ergänzen, und sich nicht ähneln oder einheitlich sein. Die Rollen sind dabei klar verteilt:
– Online: großes Sortiment, Aufmerksamkeitsschaffung und Customer Experience
– Offline: Branding, persönliche Interaktion und Kundenbindung

B2C-Vertriebsformen aus dem E-Commerce Report Schweiz 2017

Ein Online-Shop alleine ist keine Garantie für Erfolg. Online-Plattformen hingegen sind Onlineanbieter, die ganze Märkte um sich herum ausrichten. Die datengetriebenen Anbieter sind den produktgetriebenen Anbietern in der digitalen Adaption voraus, da sie sich meist sehr detailliert mit ihren Kunden und den Kaufsituationen auseinander setzen, während die produktgetriebenen Anbieter ein eher passives Vertriebsverständnis haben.
Um in der digitalen Transformation erfolgreich zu sein, braucht es einen starken Willen, eine agile Organisation, ausreichend finanzielle Mittel und Technologiekompetenz. Die Kaufkraft je Einwohner sowie das Preisniveau sind in der Schweiz überdurchschnittlich hoch, was eine gute Ausgangsposition ist. Allerdings bedingt die Mehrsprachigkeit höhere Investitionen und mehr Aufwand. Laut der Studie „E-Commerce Report Schweiz 2017“ gibt es in der Schweiz einige Anbieter, die die obengenannten Voraussetzungen mitbringen und sogar den Schritt in die Welt der Online-Plattformen wagen. Die Digitale Transformation ist also in vollem Gange.

Wo liegen der Schwerpunkte der teilnehmenden Unternehmen?

Ein Trend ist die Verlagerung der Umsätze auf Smartphones. Über 50% der Teilnehmer bestätigen, dass der Umsatz über Smartphones, mit über 20% der Verkäufe, stark ansteigt.

Außerdem legen die Unternehmen weiterhin viel Wert auf Investitionen, 57% der Teilnehmer wollen so viel wie möglich investieren. Ziel ist es dabei, an der guten Entwicklung des E-Commerce teilhaben zu können.

Womit unterstützen die Unternehmen ihre Wachstumsziele?

Hier kristallisieren sich drei Bereiche heraus:

  1. Maßnahmen zur Verbesserung der User Experience – Umsatzoptimierung
  2. Sortimentsausbau oder -optimierung, verbesserte Services wie z.B. Logistik
  3. Gesamter Bereich der Informatik (z.B. neue Website) und Maßnahmen bei den Backend Systemen (z.B. Lösungen für mobile Endgeräte)

Zu den Barrieren für den Erfolg im E-Commerce zählen vor allem der Zugang zum Kunden (dies ist für viele Studienteilnehmer die größte Barriere), der Mangel an effizienten Werbemöglichkeiten und die Anpassungsfähigkeit der Prozesse – Schlagwort Agilität!

Der Markt verändert sich schnell: auf der einen Seite das Verhalten von Kunden und Wettbewerbern, auf der anderen Seite auch die technologischen Neuerungen und Innovationen bei Geschäftsmodellen und Dienstleistungen. Dies stellt hohe Ansprüche an alle relevanten Prozesse – besonders an die IT, denn die Prozesse müssen in die vorhandenen Systeme integriert und neue Systeme müssen implementiert werden.

Gerade für Handelsunternehmen kann hier ein PIM System von großem Vorteil sein. In einem PIM (Product Informationen Management System) können alle Produktdaten wie z.B. technische Attribute, Produktbeschreibungen, Bilder, Videos sowie kommerzielle Stammdaten aus einem ERP System zentral verwaltet und voll- oder teilautomatisiert in verschiedene Kanäle ausgesteuert werden. Da die Daten nur an dieser Stelle bearbeitet werden, sind sie immer auf dem neusten Stand. Durch Schnittstellen werden sie in verschiedene Vertriebs- und Marketingkanäle wie Online-Shops, Marketingautomatisierungssysteme oder andere E-Commerce Tools ausgesteuert. Das PIM System kann nicht nur die immer größer werdende Menge an Produktdaten verwalten und alle Arten von Daten speichern, es kann auch alle möglichen Beziehungen zum Produkt beinhalten. Weitere Informationen zum PIM von Contentserv gibt es hier: www.contentserv.com

Oder treffen Sie uns persönlich auf der SuisseEMEX am 28. und 29. August in Halle 6, Stand 6.306. Wir freuen uns auf Sie!

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