Projektmanagement 2.0: Holger Schneider im Interview

Holger Schneider

Holger Schneider, Head of Operations bei Contentserv, im Interview

Das Jahr zählt nur noch wenige Tage und 2018 steht mit vielen spannenden Projekten in den Startlöchern. Manche Neuigkeiten lassen aber nicht bis zum neuen Jahr auf sich warten. Seit 1. November ist Holger Schneider als Head of Operations bei Contentserv tätig. Im Interview verrät er, welche Ziele er sich zum Thema Projektmanagement für 2018 gesetzt hat.

 

Herr Schneider, kurz vor dem Jahreswechsel haben Sie Ihre Stelle als Head of Operations bei Contentserv angenommen. Wie bringen Sie sich und Ihre Erfahrungen ins Unternehmen ein?

 

Holger Schneider: Als Head of Operations und Mitglied der Geschäftsleitung zählen unter anderem die eigenen Professional Services zu meinem Verantwortungsbereich, ebenso wie die operative Schnittstelle zu den Partnern, dass die Implementierungsprojekte erfolgreich umgesetzt werden. In den letzten Jahren habe ich viele Software- und Entwicklungsprojekte geleitet und bringe daneben auch viel Erfahrung mit dem Betrieb von Applikationen und deren Maintenance mit. Mit der Contentserv Software bin ich aus Kundensicht bereits seit 2007 vertraut.

 

Inwieweit hilft es Ihnen, Contentserv auch aus Kundenperspektive zu kennen?

 

Holger Schneider: Es hilft in der Umsetzung schon sehr, wenn man beide Seiten kennt. Eine der wichtigsten Voraussetzung für eine erfolgreiche Projektimplementierung ist, die Businessprozesse des Kunden zu durchdringen und zu verstehen, damit man mit einer Softwareeinführung das Unternehmen bei der Digitalisierung auch wirklich unterstützt. Bei der Umsetzung solcher Projekte sollte man sich daher nicht immer nur auf sich selbst konzentrieren, sondern mit Weitblick an die Dinge herangehen und alle Perspektiven in die Beratung mit einbeziehen.

 

Sie haben gerade eine der Voraussetzungen für eine erfolgreiche Projektdurchführung angesprochen. Können Sie noch näher auf Fallstricke bei der Software-Implementierung eingehen?

 

Holger Schneider: Es ist eine ganz große Herausforderung, den schmalen Grat zwischen Standardisierung und Individualisierung zu treffen. Die Individualisierung hängt von der Vergangenheit des Kunden ab. Man muss den Kunden so beraten, dass aus der bisher gesammelten Erfahrung geschöpft werden kann und man die Anforderungen optimal erfüllt. Hier kommt aber auch der Kunde selbst ins Spiel, der seine Anforderungen erst mal kennen und klar kommunizieren muss. Viele Unternehmen finden sich gerade selber in ihren Prozessen und Daten. Wir können aber bei diesem Findungsprozess anknüpfen. Je mehr Erfahrung man in früheren Projekten gesammelt hat, desto effektiver und schneller läuft das Design von neuen Projekten. Der andere Punkt ist die Standardisierung; je näher man sich bei einer Implementierung am Standard bewegt, desto schneller geht die Umsetzung natürlich und desto weniger fehleranfällig sind die Projekte. Voraussetzung dafür ist allerdings ein sauberes Projektmanagement, mit Zwischenerfolgen und Erfolgskontrollen aller Beteiligten, sprich von uns als Hersteller, von unseren Implementierungspartnern und natürlich vom Kunden selbst.

Oftmals ist die Einführung eines neuen Systems auch ein „organizational change“ und alle Beteiligten müssen mit auf die Reise in die Digitalisierung genommen werden, denn es sind es ja schlussendlich die Mitarbeiter, die die Dinge anders angehen müssen und so entscheidend für den Erfolg beitragen. Diese Veränderungen müssen klar und verständlich kommuniziert werden, damit alle in diesen Change-Prozess integriert werden und die Umstellung zügig vonstattengeht.

 

In den Prozess sind also nicht nur der Kunde sowie sein Umfeld und Sie als Hersteller der Software involviert, sondern auch Partner. Welche Rolle spielen diese Partner im Umsetzungsprozess?

 

Holger Schneider: Bei Contentserv fokussieren wir uns auf unsere Kernkompetenz, die Softwareherstellung und packen all unsere Energie in die Weiterentwicklung und Qualität des Systems. Daher setzen wir bei der Projektdurchführung auf erfahrene Partner, die in ihrer jeweiligen Branche Experten sind und somit die Anforderungen auf dem Markt bestens kennen. Durch diese Strategie profitieren alle Beteiligten und allen voran natürlich der Kunde. Er hat ein Produkt, das qualitativ auf höchstem Niveau an die aktuellen und individuellen Anforderungen des Unternehmens angepasst ist. Natürlich haben wir auch den Anspruch, dass wir mit unseren Professional Services unsere Software beim Kunden komplett implementieren können, aber aufgrund des Volumens, das wir bewältigen müssen, werden wir in der Zukunft – wie auch bereits in der Vergangenheit – ganz stark auf unsere Implementierungspartner setzen. Der internationale Erfolg von Contentserv sowie die steigende Anzahl an Kunden in der DACH-Region machen es ebenfalls notwendig, dass das Partnernetzwerk erweitert wird. Deshalb rücken wir das Partner-Onboarding sowie unser Implementierungsframework (Blue Print) noch stärker in den Fokus.

 

Wie hilft der Blue Print den Partnern dabei, Projekte erfolgreich umzusetzen?

 

Holger Schneider: In erster Linie ist der Blue Print nicht nur für die Partner, sondern für alle Beteiligten eine Hilfestellung. Ziel dabei ist es, einerseits eine gewisse Standardisierung bei der Implementierung der Contentserv-Software sicherzustellen, um den Wechsel auf neue Releases mit dem möglichst minimalen Aufwand realisieren zu können, andererseits ein einheitliches Vorgehen bei der Durchführung von Projekten an den Tag zu legen. So können wir eine effiziente und nachhaltige Implementierung gewährleisten und ermöglichen die Skalierbarkeit von Ressourcen zwischen Contentserv und unseren Partnern. Besonders neue Partner profitieren vom Blue Print, der viele Informationen zur Implementierung bereithält.

 

Können Sie noch genauer darauf eingehen, wie der Blue Print aufgebaut ist, damit Kundenprojekte auch in Zukunft weiterhin erfolgreich durchgeführt werden können? Kann man das Framework also als agile Methode der Projektumsetzung beschreiben?

 

Holger Schneider: Das Framework besteht im Grunde aus drei Säulen, die das Ziel haben, ein Projekt erfolgreich umzusetzen. Die erste Säule ist ein Vorgehensmodell, das darlegt, in welchen Phasen die Einführung eines Contentserv Produktes abläuft. Mit dem Vorgehensmodell kann ebenfalls ein einheitlicher Sprachgebrauch zwischen Kunde, Partner und Softwarehersteller sichergestellt werden, was eine erhebliche Erleichterung in der Kommunikation darstellt. Der zweite Teil beinhaltet Checklisten, Dokumentenvorlagen oder auch Beispielkonfigurationen. Je nach Branche oder Aufgabenstellung werden hier Templates bereitgestellt, auf denen man dann aufbauen kann und nicht bei jedem Projekt wieder komplett neu starten muss. Eng damit verbunden ist auch die dritte Säule, die sich um Best Practices dreht. Contentserv schöpft aus dem Erfahrungswert mehrerer hunderter Projekte, die unglaublich viel Best Practice produzieren. Diese Erfahrungen fließen mit Hilfe des Blue Print kontinuierlich in weitere Implementierungen ein. Dadurch, dass unsere Erfahrungen mit den Partnern geteilt werden, die wiederum ihre Erkenntnisse ebenso mit einfließen lassen, entsteht hier ein großer Erfahrungsschatz, von dem die kommenden Projekte und natürlich auch unserer Produktmanagement profitieren. Verknüpft man die Hilfen zur Standardisierung aus dem Framework dann noch mit den spezifischen Kundenanforderungen, steht dem Projekterfolg nichts mehr im Wege.

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