Unternehmenskultur 2 – Fehler machen ist OK!

 

Stellen Sie sich mal eine Unternehmenskultur vor, in der es OK ist, Neues zu probieren – unabhängig vom Ergebnis! Wie wäre es, Fehler machen zu dürfen, ohne abgemahnt zu werden oder sogar den Kopf hinhalten zu müssen und seinen Job zu verlieren? Schwierig? Das ist verständlich, denn gerade in Deutschland ist Scheitern verpönt. Fehler machen wird bei uns oft mit Schwäche verbunden.

Doch ist es realistisch, keine Fehler zu machen? Nein, natürlich nicht. Im privaten genauso wie im beruflichen Alltag gehören Fehler dazu. Das immer schnellere Tempo, mit dem sich Märkte durch die Globalisierung und Digitalisierung verändern, macht es zunehmend unmöglich, Fehler nicht zu akzeptieren. Denn wer zu lange überlegt und abwartet, verpasst womöglich wichtige Trends oder Kundenbedürfnisse und spielt sich so selbst ins Aus. „Bevor man einen Fehler macht, macht man lieber garnichts“ geht heute nicht mehr, denn das bedeutet Stillstand.

Es bedarf einer Fehlerkultur im Unternehmen, so dass Fehler als Chance für Weiterentwicklung gesehen werden können. Und – es ist Chefsache, diese Kultur zu etablieren, auch wenn oder gerade wenn es bedeutet, festgefahrene Grundeinstellungen aufzulösen. Hierzu gehört mit guten Beispiel voranzugehen, Misserfolge zu analysieren und der Mut neue Dinge auszuprobieren. Wichtig ist dabei, dass Misserfolge analysiert werden, ohne den jeweiligen Mitarbeiter an den Pranger zu stellen – ja man kann Fehler sogar feiern, und es auch den Mitarbeitern ermöglicht wird, neue Dinge auszuprobieren. Fehler zu machen sollte kein Problem sein, sie aber nicht zu kommunizieren, kann ein Problem darstellen. Je schneller ein Fehler entdeckt wird, desto besser kann man darauf reagieren, daraus lernen und desto geringer sind die damit einhergehenden Kosten.

Wie kann man also vorgehen?

  • Akzeptanz: Nobody is perfect! Irren ist menschlich. Das heißt jeder macht Fehler. Fehler einzugestehen benötigt zwar eine Portion Selbstkritik, sollte aber auch von Unternehmensseite gefördert werden.
  • Mit guten Beispiel vorangehen: Führungskräfte sollten mit guten Beispiel vorangehen. Den eigenen Mitarbeiten gegenüber Fehler eingestehen und dadurch das Lernpotential aufzeigen.
  • Experimentieren: Führungskräfte können Mitarbeitern erlauben in gewissen Bereichen mit Ideen und damit eventuellen Fehlern zu experimentieren. Hier muss die Führungskraft nicht dabei sein. Der Respekt vor dem Chef könnte eventuell hinderlich sein.
  • Fehlertoleranz: Das bedeutet nicht mehr Fehler zu machen, sondern mit möglichen Fehlern sensibel, tolerant und vertrauensvoll umzugehen. Mitarbeiter sollten sich motiviert fühlen für einen Fehler Verantwortung zu übernehmen und daraus zu lernen.
  • Schnell Feedback geben: Je schneller man einen Fehler entdeckt, desto besser kann man daraus lernen. Kritisches Hinterfragen der eigenen Handlungen und Einbezug von Feedback der Kollegen sind Grundlagen dafür.
  • Misserfolge feiern: Dies ist eine Möglichkeit, um die negative Assoziationen von Fehlern aufzuheben. Fehler werden dabei ohne Vorwurf analysiert und Mitarbeiter aufgefordert es nochmal zu versuchen.

Einfacher gesagt als getan? Ja das stimmt. Der erste Schritt ist immer eine Bestandsaufnahme. Überlegen Sie mal, wie in Ihrem Unternehmen mit Fehlern umgegangen wird. Nicht nur bei den Anderen, sondern fassen Sie sich selbst an die Nase. Befragen Sie Ihre Mitarbeiter, wie es ihnen geht, wenn sie Fehler machen und stellen Sie dann Maßnahmen auf, die es Ihnen und Ihren Mitarbeiter ermöglichen, offen und ohne Scham mit Fehlern umzugehen.

Ein Beispiel, um eine positive Fehlerkultur zu etablieren, ist das Kaizen-Prinzip. Theo Wehner, Fehlerforscher, hat analysiert, dass es bei Kaizen um die kleinen, behutsamen Schritte hin zur Verbesserung geht. Es geht also nicht um einen großen Sprung und schwupps sind wir innovativ, es geht darum in kleinen Schritten – manchmal auch mit Umwegen – zum Ziel zu kommen. Wichtig ist dabei, dass Vorschläge für Veränderungen offen eingebracht werden können. Diese werden dann unter allen Beteiligten besprochen.

Und nicht vergessen – viele tolle Innovationen sind durch Fehler entstanden, wie zum Beispiel Penicillin, Post-its, oder Teflon. Welche Erfindung hat schon beim ersten Versuch 100%ig funktioniert? Stellen Sie sich vor, diese innovativen Menschen hätten aufgegeben, nachdem sie beim ersten Versuch scheiterten! Nein, sie haben aus ihren Fehlern gelernt, versucht sie zu beseitigen und so das Endprodukt dann noch besser gemacht. Es lohnt sich also eine Fehlerkultur zu etablieren.

Im Teil 3 geht es nächste Woche um die unterschiedlichen Auffassungen zwischen der Führungsetage und den Mitarbeitern in wiefern das eigene Unternehmen schon digital aufgestellt ist, Innovationen begünstigt und abteilungsübergreifende Zusammenarbeit besteht. Ausserdem erfahren Sie, was erfolgreiche Unternehmen anders machen.

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